Parteien im Web: Barrieren für Behinderte

Für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Internet eine wichtige Informationsquelle. Mithilfe von Screenreader, Sprachausgabe und Braillezeile ist das Surfen möglich. Aber auch die Webseiten müssen einige Voraussetzungen mitbringen. Das Stichwort hierfür ist Barrierefreiheit. Wie sieht es in Sachen Zugänglichkeit bei den Kampagnen-Seiten der Parteien aus? Auch blinde und sehbehinderte Menschen möchten sich vor der Bundestagswahl über Personen, Programme und Themen informieren. Ist das möglich? Haben die Parteien an behinderte Bürger gedacht? Zusammen mit dem Accessibility-Experten Thomas Mayer habe ich die Startseiten der Parteien getestet.

CDU

CDU.de kommt sehr unübersichtlich daher. Es gibt keine Überschriften, die der Screenreader erkennen und anspringen kann. Ich muss mir die Seite komplett vorlesen lassen, weil ich auch keine Navigationsliste finde. Mich interessiert ein Video: „Eine Antwort auf die Angriffe der SPD“. Ich kann es nicht anklicken. Bei dem Kampagnen-Portal der CDU wurde offensichtlich nicht an Barrierefreiheit gedacht. Auffällig ist das Fehlen jeglicher HTML Strukturelemente. Die Schriftgröße kann im Internet Explorer nicht individuell eingestellt werden – das wäre für sehbehinderte User aber eine große Hilfe. Wichtige Inhalte, wie die Navigationsleiste in der rechten Spalte, sind als CSS-Hintergrundgrafiken angelegt. Damit sind diese Links für Nutzer von Screenreadern unzugänglich. Die Seite ist sehr Grafik-lastig, aber immerhin sind alle Bilder mit aussagekräftigen Alternativtexten versehen.

Fazit: Ungenügend.

SPD

Obwohl Parteien nicht gesetzlich zur Barrierefreiheit verpflichtet sind, erfüllt SPD.de viele Standards. Es wird neben der Standard-Version eine barrierefreie Ansicht ohne Animationen und JavaScript-Spielereien angeboten. Beide Versionen sind gut mit Überschriften und Listen strukturiert, alles lässt sich prima mit der Tastatur steuern und die Alternativtexte für Grafiken sind aussagekräftig. Als einzige Partei bietet die SPD Sprunglinks an, die es Tastaturbenutzern ermöglichen, direkt zum Inhalt der Seite zu springen.

Fazit: Gut.

FDP

Auch FDP.de hat strukturierte Listen und Überschriften, die mein Screenreader erkennt. Manche Grafiken und Überschriften bestehen für den blinden Leser aber nur aus Zahlen-Kolonnen. Es gibt kleinere Probleme im Zusammenhang mit der Verwendung von Hintergrundgrafiken. Als einzige Partei bietet die FDP einen Styleswitcher an, mit dem die Nutzer die Schriftgröße verändern können.

Fazit: Befriedigend.

Grüne

Gruene.de begrüßt mich mit einem Link „Großbanken wie die Deutsche Bank müssen zu Transparenz gezwungen werden“. Ich erwarte aber als erstes eine übersichtliche Linkliste, so dass ich schnell die gewünschten Inhalte ansteuern kann. Diese Liste erscheint auf meiner Braillezeile aber erst ganz unten. Außerdem fehlen strukturierende Überschriften. Es werden zahlreiche Banner und Animationen eingesetzt. Bis auf einige Schaltflächen mit englischen Texten sind die Alternativtexte der Grafiken aussagekräftig. Trotzdem sind grafische Banner problematisch: Sie funktionieren nur bei einem visuellen Zugang und lassen sich nicht an individuelle Anforderungen (z.B. Schriftgröße oder Farbe) anpassen – somit können sehbehinderte User die Seite kaum nutzen. Weitere Probleme gibt es bei der Schriftvergrößerung. Die Schrift lässt sich zwar vergrößern, aber schon bei geringer Vergrößerung werden Inhalte abgeschnitten und sind nicht mehr lesbar. Auch bei den Grünen ist der Einsatz von Hintergrundgrafiken problematisch. Einige Bereiche, wie „Meine Kampagne“ oder der komplette Kopfbereich der Seite, sind dadurch unzugänglich.

Fazit: Mangelhaft.

Linke

Die-Linke.de erfüllt einige Standards der Barrierefreiheit: Überschriften und Listen sind so strukturiert, dass sie ein Navigieren vereinfachen. Grafiken haben einen Alternativtext. Die Linke verwendet für einige grafische Banner das HTML longdesc-Attribut. Dadurch sagt mein Screenreader bei einer Grafik „Drücken Sie Eingabe für lange Beschreibung“. Wenn ich das tue, kommt aber keine lange Beschreibung. Das Attribut wird falsch eingesetzt. Durch die Verwendung einer bestimmten JavaScript-Funktion in den Links der Navigation, ist das Angebot für Menschen, die keine Maus nutzen können und stattdessen mit der Tabulator-Taste durch eine Seite navigieren, im Internet Explorer praktisch nicht mehr nutzbar – somit schließt die Partei alle motorisch eingeschränkten User aus, die z. B. durch eine Spastik keine Maus benutzen können. Davon abgesehen gibt es noch Probleme mit der Schriftvergrößerung im Internet Explorer. Einige Bereiche lassen sich nicht vergrößern. Bis auf das Logo der Partei sind alle Grafiken mit Alternativtexten versehen.

Fazit: Mangelhaft.

Piraten

Piratenpartei.de kommt ohne Schnörkel daher. Für blinde und sehbehinderte Nutzer ist das erfreulicher als die Grafik- und Animationslastigen Angebote anderer Parteien. Anscheinend wird das Standard-Template des Content-Managment-Systems Drupal eingesetzt. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil, diese valide und gut strukturierte Vorlage ist eine gute Voraussetzung für eine barrierefreie Website. Es gibt eine Navigation, Grafiken sind mit Alternativtext beschriftet. Spezielle Optimierungen bezüglich der Barrierefreiheit sind aber nicht erkennbar.

Fazit: Befriedigend.

Zusammenfassung

Bis auf das Angebot der SPD hat jede Website größere und kleinere Probleme mit der Barrierefreiheit. Nur bei der SPD ist erkennbar, dass das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung berücksichtigt wurde. Befriedigend sind die Auftritte der FDP und der Piratenpartei. Diese Websites wurden nicht speziell auf Barrierefreiheit optimiert. Sie profitieren aber von ihrer zeitgemäßen Umsetzung, die eine Grundversorgung in Sachen Barrierefreiheit sicherstellt. Die Grünen haben vor allen Probleme mit der individuellen Anpassbarkeit ihrer Inhalte. Die Linke disqualifiziert sich durch nur einen kleinen aber sehr schwerwiegenden Fehler. Nicht akzeptabel ist das Angebot der CDU.

Die Autoren:

Heiko Kunert (33) ist Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH). Er erblindete mit sieben Jahren durch einen Tumor. In seinem Blog und bei Twitter schreibt er über seine Arbeit und das blinde Leben in Hamburg.

Thomas Mayer (41) arbeitet für den BSVH als Berater im Projekt „barrierefrei informieren und kommunizieren“. BIK testet Websites auf ihre Zugänglichkeit und informiert Agenturen, Unternehmen und Behörden bei der Gestaltung ihrer Internet-Angebote.

25 Kommentare

  1. Pingback: Barrierefreiheit: Parteien im Test « Blind-PR

  2. Hallo,

    zunächst eine grundsätzliche Frage: Wurden die Webauftritte nur mit dem IE getestet? Falls nein: Warum? Wie stellen sich die Parteien in alternativen (besseren) Browsern dar?

    Dann noch eine Frage zum Web-Auftritt der Piratenpartei: Ist es möglich, uns die beanstandeten Punkte zukommen zu lassen, so dass wir nachbessern können? Wir haben – so weit ich informiert bin jedenfalls, ich bin „nur“ ein einfaches Mitglied – noch niemanden, der sich speziell mit der Barrierefreiheit auseinandergesetzt hat. Demzufolge fehlen uns die Informationen, wie es richtig geht.

    Wenn Sie uns die mitteilen können, sorgen wir dafür, dass auch Behinderten (oder, wie es neudeutsch so schön heißt, Menschen mit besonderen Bedürfnissen) der Zugang zu unseren Webauftritten nicht unnötig erschwert wird.

    Vielen Dank für den Hinweis und freundliche Grüße
    Laird_Dave

  3. Ich möchte gerne ergänzen, dass die SPD auf Ihrer Website weitere besondere Angebote für Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen vorstellt. Auf diese Angebote wurden heute per Pressemitteilung hingewiesen.

    http://www.spd.de/de/politik/Bundestagswahl/behinderungen/index.html

    Darunter sind einige innovative Dinge:

    Zusammenfassung des Regierungsprogramms – für die Lektüre am Bildschirm

    Das Regierungsprogramm in Leichter Sprache
    Diese Broschüre halte ich für besonders interessent, ein solches Angebot habe ich bisher noch nicht gesehen!

    Das Regierungsprogramm in Gebärdensprache
    http://www.youtube.com/watch?v=td3hsOEqzWc

    Hotline für Menschen mit Behinderung

  4. Mir ist eigentlich nicht recht klar, warum die CDU eine 6 kriegt und die Grünen eine 5. Für mich liest sich die Beschreibung der Grünen-Seiten viel katastrophaler als die der CDU. Lustig finde ich als selbst blinder User, dass die SPD so gut weg kommt: Her Mayer weiß eigentlich, dass die Textversionen nicht das Mittel der Wahl sind. Gelobt werden die Sprunglinks – liebe Kollegen, die sind was für Leute, die mit Screenreadern nicht umgehen können…

  5. Wirklich ein interessanter Vergleich. Die Seite der CDU hatte ich mir im Vorfeld schon einmal in Bezug auf Barrierefreiheit angesehen und sie ist wirklich verbesserungsbedürftig.

    An Laird_Dave: mit welchem Browser die Seite aufgerufen wird, sollte für den Test unerheblich sein – eben darum geht es ja beim Thema Barrierefreiheit. Dass das z.B. für einen IE6 schwierig ist, leuchtet ein. Aber ob man nun Firefox oder IE7 benutzt ist im wesentlichen egal. Bei einem Screenreader sieht das dann wieder ganz anders aus. Wenn eine Webseite verbssert werden soll, sind die Prüfschritte des BITV-Selbsttests meiner Ansicht nach ein guter Anfang (http://testen.bitv-test.de/index.php?a=dl&t=s). Dort werden wichtige Regeln ausführlich erläutert.

    Grüße,
    Sebastian Höhne

  6. Wahrlich ein interessanter Vergleich. Es wäre aber aussagekräftiger, wenn ausführliche Testergebnisse zur Verfügung gestellt werden könnten. Auch fehlt mir die Information, wann der Test durchgeführt wurde, da viele Parteien in diesem Jahr ihre Seite überarbeitet haben.

  7. Ein solcher Testbericht zur Barrierefreiheit wäre wesentlich glaubwürdiger, wenn die Seite, auf der er veröffentlicht wird, sich selbst an die gesetzten Maßstäbe halten würde. Stattdessen findet man hier:

    * 56 Syntax-Fehler im W3C-Validator

    * Verschachtelte Layout-Tabellen mit Struktur-Elementen für Datentabellen (tbody)

    * Unlogische Überschriftenstruktur im Artikel selbst (alles h2, keine h1)

    * Leere Überschriften-Tags (ohne jeglichen Inhalt) in der Sidebar

    * Überschriften in der Sidebar (EMPFOHLENE LINKS, LETZTE KOMMENTARE, SCHLAGWORTE, ETC.) als Textgrafiken ohne alt-Attribut

    * Teilweise enthalten die h3 in der sidebar nur ein hintergrund.gif ohne Alternativtext

    * Texte in title-Attributen teilweise auf Englisch („Go to the comments of this entry“)

    * Linktext mehrfach nur „[more]“

    * Links öffnen ohne Ankündigung in einem neuen Fenster

    * title-Attribute in der Tagcloud irreführend (gemeint ist „5 Beiträge“, dort steht aber „5 Themen“ bei einzelnen Themen)

    * Textfeld im Suchformular ohne Label, kein title oder Fieldset/Legend als Fallback

    * Wenn Alternativtexte verwendet werden, dann sind diese teilweise sinnfrei (alt=“No Gravatar“ bei Gravatar-Bildchen in den Kommentaren)

    * Abkürzungen sind grundsätzlich nicht ausgezeichnet und erklärt

    * Sprachwechsel sind nicht ausgezeichnet

    * Die Verwendung von tabindex im Kommentarformular führt dazu, dass dieses bei Tastaturbedienung zuerst angesprungen wird.

    * Kein sichtbarer Fokus bei Tastaturbedienung

    * Inline-Styles

    usw. etc. pp. Ich fürchte zu mehr als einer glatten 6 reicht das wohl auch nicht.

  8. Pingback: Barrierefreiheit von Partei-Websites - Netzlogbuch

  9. Vielen Dank für diese Analyse der Webauftritte der Parteien, die ich sehr aufschlussreich fand.

    An einigen Stellen konnte ich die Aussagen des Textes und die Bewertungen leider nicht recht nachvollziehen. Dies betrifft zum Beispiel die positive Hervorhebung der barrierefreien Ansicht (SPD). Nach meinem Verständnis ist das eine – eigentlich nicht erwünschte – Parallelversion.

    In dem Abschnitt über das Webangebot der Piratenpartei steht nach den lobenden Worten: „Spezielle Optimierungen bezüglich der Barrierefreiheit sind aber nicht erkennbar.“ Kommt die Bewertung von nur „befriedigend“ dadurch zustande und welche „speziellen Optimierungen“ vermisst Ihr?

  10. Pingback: Parteien im Web: Barrieren für Behinderte | Pretzlaff.info

  11. Erstmal vielen Dank für die vielen Ergänzungen und Kommentare!

    @Laird_Dave: Ich selbst nutze den Firefox, und das habe ich auch beim Testen getan. Vieles ist da einfacher als in einem älteren IE. Aber dennoch sollte man eine Seite auch für den IE so barrierefrei wie möglich gestalten.

    @Oliver Zeisberger: Da sollte der vollständigkeit halber auch darauf hingewiesen werden, dass auch andere Parteien weitere Angebote für behinderte Menschen Haben. Z. B. die CDU:
    http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,21772/ticket,g_a_s_t
    und die FDP:
    http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,21782/ticket,g_a_s_t
    Wir haben in unserem kleinen Test ja nur die Startseiten getestet.

    @Michael Herbst: Der qualitative Unterschied zwischen der CDU- und der Grünen-Seite liegt darin, dass bei den Grünen eine Strukturierung erfolg, es Überschriften gibt, die mit dem Screenreader angesprungen werden können. Die Grünen-Seite ist aber so Grafik-lastig, dass sie selbst bei Alternativ-Beschriftung der Grafiken, unübersichtlich bleibt. Bei der CDU gibt es aber nicht einmal ausgezeichnete Überschriften. Und zum Thema Sprunglinks: die mögen für Screenreader-Nutzer nicht nötig sein. Es soll aber ja auch PC-Nutzer geben, die keine Maus nutzen können, aber auch keinen Screenreader brauchen.

    @Frank Perlini: Ein noch ausführlicherer Test war in diesem Rahmen nicht möglich. Letztlich wäre es an den Parteien und ihren Agenturen, ihre Seiten – möglichst im vorhinein – testen zu lassen. Den Test haben wir innerhalb der letzten sieben Tage durchgeführt.

    @Thomas Caspers: Ich halte es nicht für angemessen, die Glaubwürdigkeit unseres Gastbeitrages infragezustellen. Über die Hinweise sind die blogbetreiber aber gewiss dankbar.

    @Kerstin Probiesch: Eine zusätzliche barrierefreie Ansicht wie bei der SPD ist sicher nicht das Mittel der Wahl, zumal die „nichtbarrierefreie“ Seite ebenfalls für Screenreader-Nutzer gut nutzbar ist. Wir fanden es aber erwähnenswert, dass es diese zusätzliche Version gibt. Spezielle Anpassungen an Barrierefreiheit wären bei den Piraten wünschenswert. Einige Beispiele könnten CSS-Switcher oder Sprunglinks sein.

  12. > Ich halte es nicht für angemessen, die Glaubwürdigkeit
    > unseres Gastbeitrages infragezustellen

    Heisst das im Umkehrschluss, dass die sich aus identischen Fehlern ergebenden eindeutigen Barrieren (Orientierung, Bedienbarkeit, etc.) hier an dieser Stelle nicht so schlimm sind wie an anderer Stelle?

  13. @Heiko Kunert:
    »Ich halte es nicht für angemessen, die Glaubwürdigkeit unseres Gastbeitrages infragezustellen«

    Moment, ich war noch gar nicht beim Gastbeitrag selbst angelangt, sondern erstmal nur bei der Präsentation desselben hier auf dieser Seite. Aber weil du so nett darum bittest kann ich auch gerne nochwas zum Testbericht selbst sagen:

    »Die Schriftgröße kann im Internet Explorer nicht individuell eingestellt werden«

    Die CDU ist sicherlich an vielem Schuld, aber dass die Schriftgröße im Internet Explorer nicht individuell eingestellt werden kann (bzw. dass der Autor / Tester nicht in der Lage ist, das entsprechende Häkchen unter Extras -> Internet-Optionen zu setzen, mit dem sich die Schrift sehr wohl auch im IE vergrößern lässt) – dafür kann auch die CDU nichts.

    »Obwohl Parteien nicht gesetzlich zur Barrierefreiheit verpflichtet sind, erfüllt SPD.de viele Standards. Es wird neben der Standard-Version eine barrierefreie Ansicht ohne Animationen und JavaScript-Spielereien angeboten.«

    In welchem Standard steht bitte, dass es »neben der Standard-Version eine barrierefreie Ansicht« geben muss? Mir sind nur internationale Standards, Bundes- und Landes-Gesetze und -Verordnungen sowie Prüfverfahren bekannt, wo das exakte Gegenteil verlangt wird.

    Formulierungen wie
    »ohne Animationen und JavaScript-Spielereien«
    sind wertend und haben in einem Testbericht wie diesem nichts verloren. Zumal »Animationen und JavaScript-Spielereien« nicht nur die Barrieren für bestimmte Nutzergruppen absenken können (sofern sie vernünftig umgesetzt sind), sondern auch von aktuellen Richtlinien (-> WCAG 2.0) abgedeckt sind.

    »Außerdem fehlen strukturierende Überschriften.« (gruene.de)

    Ich zähle alleine auf der Startseite (=Testobjekt) aktuell 22 Überschriften. Wie viele sollten es denn noch sein?

    »somit schließt die Partei alle motorisch eingeschränkten User aus, die z. B. durch eine Spastik keine Maus benutzen können.«

    … sollte ergänzt werden durch *Internet Explorer-*User, da dieser Fehler in sämtlichen anderen Browsern nicht auftritt. Eventuell sollten motorisch eingeschränkte User aber auch auf geeignetere Hilfsmittel und User Agents ausweichen.

    »Piratenpartei.de kommt ohne Schnörkel daher. Für blinde und sehbehinderte Nutzer ist das erfreulicher als die Grafik- und Animationslastigen Angebote anderer Parteien«

    »Schnörkel« stellen für blinde Nutzer keinerlei Hindernis dar, wenn sie korrekt verwendet werden (d.h. i.d.R. vor Screenreadern versteckt, z.B. durch leere alt-Attribute). Hingegen werden Grafiken und auch Animationen von sehbehinderten Nutzern durchaus genutzt, um Inhalte zu erfassen und sich auf Seiten zu orientieren.

  14. @Tomas Caspers es ist nur berechtigt, auf diese Schwächen hinzuweisen. Uns war auch im Vorfeld der Analyse klar, dass wir unseren eigenen Maßstäben nicht standhalten können. Als uns das bewusst wurde, war aber nicht mehr genug Zeit, um das Layout des Homo Politicus zumindestens in Teilen zu überarbeiten, damit die Barrierefreiheit besser gegeben ist.

    Für uns war es also die Entscheidung, den Beitrag trotzdem zu bringen und auf ein wichtiges Thema für die Parteien hinzuweisen, oder aus Bewusstsein der eigenen Schwäche das sein zu lassen.

    Wie Sie sehen, haben wir uns dazu entschieden, den Beitrag dennoch zu bringen. Die Verbesserung unserer eigenen Seite aber steht fest auf dem Programm.

  15. Ich hatte mir vor ein paar Wochen mal die Wahlprogramme der oben getesteten parteien angesehen und festgestellt, dass KEINE der PDF-Versionen irgendwelche Tags für die Barrierefreiheit aufwies. Lediglich das Wahlprogramm der Piratenpartei, das als Wiki-Seite vorliegt und nicht als PDF, stach hier positiv heraus.

  16. Pingback: D-Memory

  17. Hallo,

    ich möchte gerne ein paar Hintergrundinfos zu diesem Vergleichstest loswerden:

    Im Mittelpunkt dieses Vergleichs steht die praktische Nutzbarkeit der Websites mit dem Screenreader. Das hat Heiko übernommen. Ich habe dazu ergänzend 17 Anforderungen getestet, die sich aus den gängigen Richtlinien für Barrierefreiheit (WCAG 1 und 2, BITV) ableiten lassen.

    Im einzelnen:

    Valides HTML, Verwendung von veralteten HTML Elementen, Verwendung von WAI-ARIA, Verwendung von Sprunglinks, Verwendung von Styleswitchern, Strukturierung mit HTML-Überschriften, Strukturierung mit HTML-Listen, Sprachauszeichnungen, Verwendung von Tabellen, Verwendung von Frames, Kennzeichnung von Downloads, Schriftvergrößerung (Internet Explorer und Firefox), Zoomfunktion, Tastaturbedienbarkeit, Alternativtexte, Verwendung von Hintergrundgrafiken, Animationen.

    Das ist natürlich kein vollständiger Test auf Barrierefreiheit. Einige zentrale Anforderungen sind abgedeckt. Andere wichtige Themen, z.B. Helligkeitskontraste, Nutzbarkeit multimedialer Inhalte oder Formulare wurden nicht berücksichtigt.

    Die oben genannten Kriterien sind aber denke ich ausreichend um erkennen zu können. ob das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung der Websites eine Rolle gespielt hat.

    Wir wollten keine technische Abhandlung aus diesem Text machen. Deshalb sind die Bewertungen relativ knapp gehalten und teilweise zugegegeben etwas undurchsichtig und unpräzise. Auch fehlen z.T. wichtige Erläuterungen. Z.B. Schriftgröße Px. im IE oder onfocus=blurLink(this) bei der Linken. Das ist natürlich für Experten interessant. Für den Nutzer ist es aber egal ob das CMS, der Browser oder die ausführende Agentur verantwortlich für ein Probleme ist.

    Einige Ergebnisse haben wir auch aus Platzgründen nicht mit aufgenommen. So verwenden z.B. die Piraten als einzige Partei eine Layouttabelle. Die ist aber hinsichtlich der Barrierefreiheit unkritisch.
    Was die Grünen angeht: Es werden Überschriften verwendet, die helfen aber nicht unbedingt bei der Erschließung der Inhalte. Das ist hier der Hauptkritikpunkt.

    Ob die „Alternative-Startseite“ der SPD eine böse Alternativversion im Sinne der BITV ist möchte ich bezweifeln.
    Die SPD schreibt dazu:

    „Die SPD-Startseite ist in zwei Varianten verfügbar, die sich optisch und in der Benutzerführung unterscheiden, inhaltlich aber identisch sind. Die animierte Variante ist mit Ajax realisiert und benötigt zur Nutzung JavaScript sowie einen aktuellen Browser. Die alternative Startseite ist barrierefrei und macht die Inhalte über eine konventionelle Navigation zugänglich. Sie können zwischen beiden Varianten wechseln.“

    Es wäre fatal wenn nur die alternative Startseite barrierefrei wäre. Aber das ist nicht der Fall. Beide Versionen sind gleich gut zugänglich und erkennbar hinsichtlich der Barrierefreiheit optimiert. Die alternative Version verzichtet lediglich auf Animationen und JavaScript.

    Das kann man glaube ich nicht auf eine Stufe mit der typischen „Text-Version für Blinde“ stellen, die natürlich kritisiert werden muss.

    Hoffe ich konnte damit für ein bisschen Klarheit sorgen.

  18. Ich habe mir die CDU- und die SPD-Site schon vor einiger Zeit mal vergelichend angesehen. Was mir dabei auffiel: Die „barrierefreie Ansicht“ bei der SPD ist genau das, was man auch zu gesicht bekommt, wenn man JavaScript deaktiviert. In dem einzelnen Punkt wurde wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen – sicher nicht aus schlechter Absicht. Es ist aber sehr Lobenswert, dass man sich bei der SPD Gedanken über die Zugänglichkeit gemacht hat. Bleibt zu hoffen, dass dies eine positive Vorbildwirkung auf andere Partein und Verbände etc. hat.

  19. Pingback: face2blog » Blog Archive » Sehbehinderte loben SPD-Homepages: „ Barrierefreiheit: gut“

  20. voll ins Schwarze getroffen! Wir kämpfen auf Landes- u. Bundesebene
    von Anfang an für weitestgehende Barrierefreiheit auf unseren homepages.Deshalb bin ich froh darüber, dass dieser Vergleich gemacht wurde, denn er zeigt sehr deutlich:
    Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen !!!

  21. Pingback: Links zur Wahl | Johannes Moskaliuk

  22. Wenn man selber nicht betroffen ist, setzt man sich leider nicht so im Detail mit wichtigen Themen auseinander. Leider. Mich würde im Allgemeinen interessieren, wie das Thema Barrierefreiheit im Netz umgesetzt wird. Gibt es hierzu gute informative Seiten für betroffene Personen? Was mich aber irgendwie schockiert, ist die Tatsache, dass gerade die Parteien für jedermann erreichbar und transparent sein wollen so schwer „erreichbar“ für Menschen mit visuellen Handicap sind. Traurig

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