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	<title>Homo Politicus &#187; Barrierefreiheit</title>
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	<description>Das politische Weblog von Malte Krohn und Christian Jung</description>
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		<title>Parteien im Web: Barrieren f&#252;r Behinderte</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:11:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Kunert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>F&#252;r blinde und sehbehinderte Menschen ist das Internet eine wichtige Informationsquelle. Mithilfe von Screenreader, Sprachausgabe und Braillezeile ist das Surfen m&#246;glich. Aber auch die Webseiten m&#252;ssen einige Voraussetzungen mitbringen. Das Stichwort hierf&#252;r ist Barrierefreiheit. Wie sieht es in Sachen Zug&#228;nglichkeit bei den Kampagnen-Seiten der Parteien aus? Auch blinde und sehbehinderte Menschen m&#246;chten sich vor der Bundestagswahl &#252;ber Personen, Programme und Themen informieren. Ist das m&#246;glich? Haben die Parteien an behinderte B&#252;rger gedacht? Zusammen mit dem Accessibility-Experten Thomas Mayer habe ich die Startseiten der Parteien getestet.</strong></p>
<h2>CDU</h2>
<p>CDU.de kommt sehr un&#252;bersichtlich daher. Es gibt keine &#220;berschriften, die der Screenreader erkennen und anspringen kann. Ich muss mir die Seite komplett vorlesen lassen, weil ich auch keine Navigationsliste finde. Mich interessiert ein Video: „Eine Antwort auf die Angriffe der SPD“. Ich kann es nicht anklicken. Bei dem Kampagnen-Portal der CDU wurde offensichtlich nicht an Barrierefreiheit gedacht. Auff&#228;llig ist das Fehlen jeglicher HTML Strukturelemente. Die Schriftgr&#246;&#223;e kann im Internet Explorer nicht individuell eingestellt werden – das w&#228;re f&#252;r sehbehinderte User aber eine gro&#223;e Hilfe. Wichtige Inhalte, wie die Navigationsleiste in der rechten Spalte, sind als CSS-Hintergrundgrafiken angelegt. Damit sind diese Links f&#252;r Nutzer von Screenreadern unzug&#228;nglich. Die Seite ist sehr Grafik-lastig, aber immerhin sind alle Bilder mit aussagekr&#228;ftigen Alternativtexten versehen.</p>
<p><em>Fazit: Ungen&#252;gend.</em></p>
<h2>SPD</h2>
<p>Obwohl Parteien nicht gesetzlich zur Barrierefreiheit verpflichtet sind, erf&#252;llt SPD.de viele Standards. Es wird neben der Standard-Version eine barrierefreie Ansicht ohne Animationen und JavaScript-Spielereien angeboten. Beide Versionen sind gut mit &#220;berschriften und Listen strukturiert, alles l&#228;sst sich prima mit der Tastatur steuern und die Alternativtexte f&#252;r Grafiken sind aussagekr&#228;ftig. Als einzige Partei bietet die SPD Sprunglinks an, die es Tastaturbenutzern erm&#246;glichen, direkt zum Inhalt der Seite zu springen.</p>
<p><em>Fazit: Gut.</em></p>
<h2>FDP</h2>
<p>Auch FDP.de hat strukturierte Listen und &#220;berschriften, die mein Screenreader erkennt. Manche Grafiken und &#220;berschriften bestehen f&#252;r den blinden Leser aber nur aus Zahlen-Kolonnen. Es gibt kleinere Probleme im Zusammenhang mit der Verwendung von Hintergrundgrafiken. Als einzige Partei bietet die FDP einen Styleswitcher an, mit dem die Nutzer die Schriftgr&#246;&#223;e ver&#228;ndern k&#246;nnen.</p>
<p><em>Fazit: Befriedigend.</em></p>
<h2>Gr&#252;ne</h2>
<p>Gruene.de begr&#252;&#223;t mich mit einem Link „Gro&#223;banken wie die Deutsche Bank m&#252;ssen zu Transparenz gezwungen werden“. Ich erwarte aber als erstes eine &#252;bersichtliche Linkliste, so dass ich schnell die gew&#252;nschten Inhalte ansteuern kann. Diese Liste erscheint auf meiner Braillezeile aber erst ganz unten. Au&#223;erdem fehlen strukturierende &#220;berschriften. Es werden zahlreiche Banner und Animationen eingesetzt. Bis auf einige Schaltfl&#228;chen mit englischen Texten sind die Alternativtexte der Grafiken aussagekr&#228;ftig.  Trotzdem sind grafische Banner problematisch: Sie funktionieren nur bei einem visuellen Zugang und lassen sich nicht an individuelle Anforderungen (z.B. Schriftgr&#246;&#223;e oder Farbe) anpassen – somit k&#246;nnen sehbehinderte User die Seite kaum nutzen. Weitere Probleme gibt es bei der Schriftvergr&#246;&#223;erung. Die Schrift l&#228;sst sich zwar vergr&#246;&#223;ern, aber schon bei geringer Vergr&#246;&#223;erung werden Inhalte abgeschnitten und sind nicht mehr lesbar.  Auch bei den Gr&#252;nen ist der Einsatz von Hintergrundgrafiken problematisch. Einige Bereiche, wie „Meine Kampagne“ oder der komplette Kopfbereich der Seite, sind dadurch unzug&#228;nglich.</p>
<p><em>Fazit: Mangelhaft.</em></p>
<h2>Linke</h2>
<p>Die-Linke.de erf&#252;llt einige Standards der Barrierefreiheit: &#220;berschriften und Listen sind so strukturiert, dass sie ein Navigieren vereinfachen. Grafiken haben einen Alternativtext. Die Linke verwendet f&#252;r einige grafische Banner das HTML longdesc-Attribut. Dadurch sagt mein Screenreader bei einer Grafik „Dr&#252;cken Sie Eingabe f&#252;r lange Beschreibung“. Wenn ich das tue, kommt aber keine lange Beschreibung. Das Attribut wird falsch eingesetzt. Durch die Verwendung einer bestimmten JavaScript-Funktion in den Links der Navigation, ist das Angebot f&#252;r Menschen, die keine Maus nutzen k&#246;nnen und stattdessen mit der Tabulator-Taste durch eine Seite navigieren, im Internet Explorer praktisch nicht mehr nutzbar – somit schlie&#223;t die Partei alle motorisch eingeschr&#228;nkten User aus, die z. B. durch eine Spastik keine Maus benutzen k&#246;nnen. Davon abgesehen gibt es noch Probleme mit der Schriftvergr&#246;&#223;erung im Internet Explorer. Einige Bereiche lassen sich nicht vergr&#246;&#223;ern. Bis auf das Logo der Partei sind alle Grafiken mit Alternativtexten versehen.</p>
<p><em>Fazit: Mangelhaft.</em></p>
<h2>Piraten</h2>
<p>Piratenpartei.de kommt ohne Schn&#246;rkel daher. F&#252;r blinde und sehbehinderte Nutzer ist das erfreulicher als die Grafik- und Animationslastigen Angebote anderer Parteien. Anscheinend wird das Standard-Template des Content-Managment-Systems Drupal eingesetzt. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil, diese valide und gut strukturierte Vorlage ist eine gute Voraussetzung f&#252;r eine barrierefreie Website. Es gibt eine Navigation, Grafiken sind mit Alternativtext beschriftet. Spezielle Optimierungen bez&#252;glich der Barrierefreiheit sind aber nicht erkennbar.</p>
<p><em>Fazit: Befriedigend.</em></p>
<h2>Zusammenfassung</h2>
<p>Bis auf das Angebot der SPD hat jede Website gr&#246;&#223;ere und kleinere Probleme mit der Barrierefreiheit. Nur bei der SPD ist erkennbar, dass das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung ber&#252;cksichtigt wurde. Befriedigend sind die Auftritte der FDP und der Piratenpartei. Diese Websites wurden nicht speziell auf Barrierefreiheit optimiert. Sie profitieren aber von ihrer zeitgem&#228;&#223;en Umsetzung, die eine Grundversorgung in Sachen Barrierefreiheit sicherstellt. Die Gr&#252;nen haben vor allen Probleme mit der individuellen Anpassbarkeit ihrer Inhalte. Die Linke disqualifiziert sich durch nur einen kleinen aber sehr schwerwiegenden Fehler. Nicht akzeptabel ist das Angebot der CDU.</p>
<p><strong>Die Autoren:</strong></p>
<p><em><strong>Heiko Kunert</strong> (33) ist Sprecher des <a href="http://www.bsvh.org">Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg</a> </em>(BSVH)<em>. Er erblindete mit sieben Jahren durch einen Tumor. In <a href="http://blindpr.wordpress.com">seinem Blog</a> und bei <a href="http://twitter.com/HeikoKunert">Twitter</a> schreibt er &#252;ber seine Arbeit und das blinde Leben in Hamburg.</em></p>
<p><em><strong>Thomas Mayer</strong> (41) arbeitet f&#252;r den BSVH als Berater im Projekt „<a href="http://www.bik-online.info">barrierefrei informieren und kommunizieren</a>“. BIK testet Websites auf ihre Zug&#228;nglichkeit und informiert Agenturen, Unternehmen und Beh&#246;rden bei der Gestaltung ihrer Internet-Angebote.</em></p>
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		<title>Barrieren vor dem Bundestag</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Aug 2009 21:32:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Krohn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Internetseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit viel Begeisterung wurde heute morgen die neue Webseite des deutschen Bundestages freigeschaltet. In den vergangenen Jahren war die Homepage vor allem f&#252;r seine Un&#252;bersichtlichkeit und bunte Ansammlung von Informationen bekannt,… <a href="http://www.homopoliticus.de/2009/08/12/barrieren-vor-dem-bundestag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit viel Begeisterung wurde heute morgen die neue Webseite des <a href="http://www.bundestag.de">deutschen Bundestages</a> freigeschaltet. In den vergangenen Jahren war die Homepage vor allem f&#252;r ihre Un&#252;bersichtlichkeit und bunte Ansammlung von Informationen bekannt. Deshalb wurde es um so erfreuter aufgenommen, als in der heutigen Pressekonferenz (<a href="http://iptv.cdn.tv1.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/scalablePlayer.html?content=278725&amp;singleton=true&amp;bandwidth=514">Video!</a>) mehr Transparenz und eine einfachere Handhabung der Webseite angek&#252;ndigt wurde (<a href="http://web.archive.org/web/20071026062942/http://www.bundestag.de/index.html">die Website vor dem Relaunch</a>).</p>
<p>Und tats&#228;chlich pr&#228;sentiert sich der deutsche Bundestag ungew&#246;hnlich &#252;bersichtlich und mit vielen Bildern. Ein Herz f&#252;r Petition zeigt der Punkt &#8220;Aktuelle Petitionen&#8221; eine zentrale Position auf der Webseite ein. Zu recht aber <a href="http://www.zeit.de/online/2009/33/bundestag-website-relaunch">kritisierten</a> schon Kai Biermann und Christian Heise bei Zeit Online die immer noch mangelnde Transparenz und Dialogfreundlichkeit &#8211; trotz aller Ank&#252;ndigungen.</p>
<p>Scheinbar v&#246;llig unbeachtet blieb beim Relaunch aber die Barrierefreiheit der Website, die f&#252;r eine nicht gerade unerhebliche Zahl von Menschen in Deutschland relevant ist. Ruft man die Website des Bundestagses mit einem Browser f&#252;r Sehbehinderte wie beispielsweise webformator auf, zeigt sich ein ern&#252;chterndes Bild:</p>
<p><a href="http://www.homopoliticus.de/wp-content/uploads/2009/08/22859254.jpg"class="img" rel="lightbox"><img class="alignnone size-medium wp-image-4139" title="22859254" src="http://www.homopoliticus.de/wp-content/uploads/2009/08/22859254-300x230.jpg" alt="22859254" width="300" height="230" /></a></p>
<p>Der Bundestag verst&#246;&#223;t mit seinen Barrieren vor dem Internetauftritt auch gegen geltendes Gesetz. Im Paragraph 11 des <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__11.html">Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen</a> aus dem Jahr 2002 ist die Vorschrift daf&#252;r eindeutig:</p>
<blockquote><p>(1) Tr&#228;ger &#246;ffentlicher Gewalt im Sinne des § 7 Abs. 1 Satz 1 gestalten ihre Internetauftritte und -angebote sowie die von ihnen zur Verf&#252;gung gestellten grafischen Programmoberfl&#228;chen, die mit Mitteln der Informationstechnik dargestellt werden, nach Ma&#223;gabe der nach Satz 2 zu erlassenden Verordnung schrittweise technisch so, dass sie von behinderten Menschen grunds&#228;tzlich uneingeschr&#228;nkt genutzt werden k&#246;nnen. Das Bundesministerium f&#252;r Arbeit und Soziales bestimmt durch Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf, nach Ma&#223;gabe der technischen, finanziellen und verwaltungsorganisatorischen M&#246;glichkeiten</p>
<dl>
<dt>1. die in den Geltungsbereich der Verordnung einzubeziehenden Gruppen behinderter Menschen,</dt>
<dt>2. die anzuwendenden technischen Standards sowie den Zeitpunkt ihrer verbindlichen Anwendung,</dt>
<dt>3. die zu gestaltenden Bereiche und Arten amtlicher Informationen.</dt>
</dl>
</blockquote>
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