Bereits im Dezember hatten wir das DFPK (Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation) angekündigt. Morgen nun beginnt die von Studierenden des Masterstudiengangs Politische Kommunikation der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (zu denen ich auch gehöre) organisierte Fachtagung.
Den Auftakt macht eine Podiumsdiskussion zum Thema “Politikvermittlung” mit einem gar nicht mal unspannend besetzten Podium:
Prof. Dr. Frank Marcinkowski, geschäftsführender Direktor Institut für Kommunikationswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Dr. Thomas Rau, Redenschreiber- und berater, Berlin
Axel Weber, Public Affairs Manager bei Ketchum Pleon, Düsseldorf
Daniela Schneckenburger, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen
Jochen Trum, stellv. Leiter Redaktion Landespolitik, WDR Fernsehen Matthias Kopp (Moderation), Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Leiter der Pressestelle
Die Veranstaltung wird ab 19:30 Uhr bei Zaplive gestreamt. Spontananmeldungen für die Podiumsdiskussion sind unter http://dfpk.de/2010/anmeldung/ jedoch auch noch möglich.
Doch auch nach der Podiumsdiskussion geht es interessant weiter. NachwuchswissenschaftlerInnen stellen in den anschließenden zwei Tagen, in 7 Themenblöcke aufgeteilt, ihre Arbeiten vor. Ich werde übrigens Themenblock IV (Politische Kommunikation online – Instrumente und Auswirkungen auf Medienagenda und politische Partizipation) moderieren.
Von den zwei Tagungstagen wird es zwar keinen Livestream mehr geben, dafür werden regelmäßig Updates bei Twitter, Flickr und YouTube zu finden sein, die alle unter http://dfpk.posterous.com/ gebündelt werden.
Bereits im sechsten Jahr findet vom 08. bis 10. April 2010 das Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation -kurz DFPK- statt, auf das wir auf diesem Wege aufmerksam machen wollen.
Die von Studierenden des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf organisierte Fachtagung richtet sich dabei an Nachwuchswissenschaftler der politischen Kommunikationsforschung, die ihre abgeschlossene oder laufende Bachelorarbeit, Examensarbeit, Dissertation oder sonstige wissenschaftliche Projekte einem fachkundigen Publikum vorstellen möchten. Eröffnet wird die Veranstaltung am 8. April mit einer Podiumsdiskussion zum Thema »Politik – Deutsch, Deutsch – Politik. Politikvermittlung zwischen Floskeln und Fachjargon«. Die anschließenden zwei Tage stehen ganz im Zeichen der Präsentationen der Nachwuchsarbeiten. Interessenten können im Rahmen eines Call for Papers ihre Vortragsvorschläge einreichen.
Neben einem Blick auf die DFPK-Webseite lohnt es sich auch @dfpk2010 im Auge zu behalten.
Es ist schon verblüffend, wie sehr unser politisches System einem industriellen Bild von Produktion und Konsum entspricht. Massenprodukte von großen Firmen und Nischenprodukte kleinerer Anbieter werden konzipiert und produziert in abgeschlossenen Führungsetagen, verteilt durch den journalistischen Vertrieb und konsumiert durch eine große Anzahl von Menschen.
Axel Bruns bringt diese Analogie auf eine neue Ebene, indem er die nachindustrielle Produktion im Social Web, für die er den treffenden Begriff „Produsage“ (Produtzung, die deutsche Übersetzung leidet etwas an der Phonetik) eingeführt hat, auf die Politik überträgt. Demnach könne auch Politik gemeinschaftlich erstellt und genutzt werden, sich vom Gedanken der Trennung von Konsum und Produktion verabschieden. Als Bedingungen nennt er dafür: Transparenz, spontane Meritokratie, Bekenntnis zum unfertigen Prozess und kollektiver Nutzen.
Uwe Jun hält mit einer Reihe von Argumenten gegen Bruns‘ Modell von politischer Herrschaft durch Beteiligung der Nutzer/Bürger. Der triftigste scheint für ihn aber die politische Entscheidungsfindung an sich zu sein, die nur durch die Bündelung in Parteien zu realisieren sei. Die Funktionen von Parteien, also Regierungsbildung, Personalrekrutierung und vor allem Meinungsaggregation sieht er nicht in einer produtzten Politik.
Wie aktuell der Band auch sein mag, es fehlt das offensichtlichste Untersuchungsobjekt für Politik mit nachindustriellem Charakter: Der diesjährige Aufstieg der Piratenpartei bietet sich zur Analyse geradezu an. Eine Partei, von ihrem Erfolg fast überwältigt, die auf der Suche nach einer Strukturierung ihrer Arbeit ist, die Schlagkräftigkeit aus Wikis und Blogs generieren kann. Die Debatte Bruns/Jun würde hier auf eine neue Ebene gehoben, wenn nicht gleich ein ganzes politisches System der Mehrparteiendemokratie auf dem Prüfstand stände, sondern eine Anpassung desselben. Kann nicht eine Partei durch „Produsage“ funktionieren?
Christoph Bieber, Martin Eifert, Thomas Groß, Jörn Lamla (Hg.) Soziale Netze in der digitalen Welt
Das Internet zwischen egalitärer Teilhabe und ökonomischer Macht
»Web 2.0« ist eine Chiffre für soziale Netzwerke im Internet. Es ermöglicht neue Formen der Interaktion im virtuellen Raum, wobei potentiell jeder zum Sender von Inhalten werden kann. Blogs, Wikis oder Videoplattformen suggerieren somit eine egalitäre Teilhabe am Medium des Internets. Die Autoren stellen dar, inwiefern diese neuen Formen der Generierung und Verbreitung von Inhalten immer auch in soziale, ökonomische und juristische Kontrollstrukturen eingebunden sind.
Bereits nach dem ersten Tag des Personal Democracy Forum („Technology is changing politics“) muss man sich als deutscher Konferenzteilnehmer mit der Frage auseinandersetzen, was bei uns derzeit alles falsch läuft.
Schon in der Begrüßungsrede rief Andrew Rasiej die Regierungen auf, entschieden gegen eine Zensur im Internet zu arbeiten. Mehrfach griffen auch andere Redner das Thema auf und teilten bewusst Seitenhiebe nach Europa aus. Gemeint war damit sicherlich auch Deutschland, das derzeit gefährlich Entwicklungen in dem Gebiet zeigt. Vielen Referenten und Teilnehmern scheint es aber auch nicht bewusst zu sein, welche Netzpolitik zur Zeit in Deutschland gemacht wird.
dana boyd stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob jemand überhaupt Social Network Sites benutzt, sonder nur noch um die Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot von MySpace bis Facebook.
boyd, die genauso wie die beiden anderen Hauptacts des heutigen Tages Jeff Javis und David Weinberger ihr Können als Rednerin bewies, sprach deshalb zum Thema „Zweiklassengesellschaft in Social Network Sites“ anhand der beiden Plattformen Facebook und MySpace. Sie betonte innerhalb ihres Vortrages inbesondere, dass es keine “universelle Onlineöffentlichkeit” gibt. Die Ursache dafür kann in der räumlichen Trennung der Social Network Sites gesehen werden. Während es bei der Email-Kommunikation egal ist, ob Freunde und Bekannte über Hotmail oder Yahoo miteinander kommunizieren entstehen durch Social Network Sites in den meisten Fällen räumlich von einander abgeschnittene Communitys. Für Deutschland besonders interessant: In diesem Gedankengang wird die vielfach postulierte „Netzcommunity” wiederlegt.
Für die Konferenzteilnehmer nett war natürlich auch die Rede von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der über Skype ins Auditorium geschaltet war und von Andrew Rasiej interviewt wurde.
So plauderten beide über Iphone-Apps für Einwohner und Touristen und auch eine Verbindungsunterbrechung wurde völlig problemlos und locker von den Gesprächspartnern hingenommen. Insgesamt fiel vor allem auf, dass Bloomberg als Bürgermeister weiß wovon er spricht und niemand dies für eine Besonderheit, sondern vielmehr für selbstverständlich hielt.
Den Rest des Tages füllten etliche weitere Sessions, die viele neue Erkenntnisse brachten. Doch erst der letzte Programmpunkt, verschiedene thematische Brainstormings, verdeutlichten endgültig den Unterschied zwischen US-amerikanischer und deutscher Netzpolitik. Zusammen mit vier weiteren Teilnehmern wurden Ideen zum Thema „international politics“ ausgetauscht. Und während in Deutschland derzeit verzweifelt alles daran gesetzt wird, Politiker und Bürger über das Internet in Kontakt zu bringen, ist dieser Schritt in den USA schon Schnee von gestern. Vielmehr überlegt man den Schritt weiter, wie Netzkommunikation zwischen verschiedenen Regierungen und noch viel spannender zwischen Regierungen und einer ausländischen Bevölkerung möglich werden. Ein konkretes Beispiel wäre, wie man es ermöglichen könnte, dass die deutsche Bevölkerung mit der US-amerikanischen Regierung kommuniziert? Eine für uns Deutsche wahnwitzig klingende Idee, die hier völlig ernsthaft diskutiert wird.
Wenn es danach geht, scheinen wir in Deutschland noch mitten in der Steinzeit zu stecken und erst langsam das Werkzeug zu entdecken, während in den Vereinigten Staaten mit dem weiterentwickelten Werkzeug inzwischen Eisen bearbeitet wird. Während man in Deutschland immer wieder Barack Obama und seinen Internetwahlkampf wie eine Monstranz vor sich her trägt, zeigte sich bereits am ersten Konferenzkonferenztag das wahre Interesse der deutschen Parteien an dem Thema. Denn die deutschen Teilnehmer lassen sich mit Leichtigkeit an einer Hand abzählen. Nachdem Joe Rospers (Obama ’08) mit der Frage „How many republicans are here today?“ und nur wenigen Meldungen die Lacher auf seiner Seite hatte, müsste man die Frage auch nach der Anzahl der deutschen Teilnehmer stellen bzw. noch besser der deutschen Parteimitarbeiter. Denn nirendwo würden sich so viele Tipps und Ideen sammeln lassen wie direkt vor Ort, aber die deutsche Parteielite ist derweil allen Anschein noch damit beschäftigt, das Netz zu filtern und Blogger zu verklagen.
Immer mehr Politiker oder politisch Interessierte nutzen auch in Deutschland den Mikro-Blogging-Dienst Twitter (Wer nicht weiß das ist, bekommt in der Wikipedia geholfen). Leider sind die Suchfunktionen nach Benutzern nicht immer das geeignete Mittel, um die interessanten Autoren zu finden. Wir möchten daher hier auf dem Homo Politicus eine Liste der parteipolitischen Twitterer in Hessen, aber auch in Deutschland erstellen.
Da wir die Liste als dauerhafte und zu erweiternde Seite auf unserem Blog einrichten wollen, finden Sie diese immer rechts in der Seitenleiste. Dieser Artikel hier ist lediglich ein Hinweis auf die eigentliche Seite.
Ach übrigens, bevor wir es vergessen: Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein hoffentlich erfolgreiches und spannendes (Wahl-)Jahr 2009!