Bildung gegen Extremismus

Am 25. September ist „Der Baader Meinhof Komplex“ von Bernd Eichinger in deutschen Kinos angelaufen. Ein guter Zeitpunkt, mehr als 30 Jahre nach dem deutschen Herbst. Aber wieviel können Jugendliche eigentlich noch mit den Begriffen RAF und Stammheim, wieviel mit den Namen Schleyer und Buback anfangen? Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Schulbildung, so lange ist sie auch immerhin noch nicht her. Ich weiß also noch sehr genau, dass wir nie ernsthaft über diese für Deutschland so prägende Zeit gesprochen haben. Im Geschichtsunterricht haben wir es etwa bis zum Korea-Krieg geschafft und nichtmal eingehender über DDR und SED-Diktatur gesprochen. Man beachte, dass ich hier von einem Gynmasium und Geschichte-Leistungskurs rede. Und dann wundern sich doch tatsächlich die Deutschen über alarmierende DDR-Kenntnisse unter Berliner Schülern:

So fragten die Wissenschaftler auch nach der Todesstrafe. Die Schüler sollten zuordnen, in welchem der beiden Teilstaaten Menschen von Staats wegen getötet wurden. Die Mehrheit der Befragten wusste nicht, dass die DDR unter anderem Mord, NS-Kriegsverbrechen, Hochverrat und Spionage als todeswürdig betrachtete. Nur 17 Prozent im Ost- und 26 Prozent im Westteil der Stadt gaben mit „DDR“ die richtige Antwort an. Der Befragung zufolge wollten einige Ost-Berliner Schüler selbst nach der Erläuterung der Wissenschaftler nicht glauben, dass es in der DDR die Todesstrafe gab.

Diffus ist auch das Wissen über die Politiker beider Staaten. Viele Staatsmänner werden von den Schülern falsch zugeordnet: Lediglich ein Viertel der Befragten kennt Ludwig Erhard als bundesdeutschen Politiker. Fast jeder dritte Schüler hält Konrad Adenauer, den ersten deutschen Bundeskanzler, für einen Politiker der DDR. [SpON]

Die FDP hat jetzt einen Antrag im Bundestag gestellt, der die Notwendigkeit von Bildung gegen Extremismus betont:

Die vertiefte Behandlung der Themen „NS-Terrorherrschaft“ und „SED-Diktatur“ im Rahmen der politischen Bildung in und außerhalb der Schule ist zur effektiven Bekämpfung des rechts- und linksextremen Gedankengutes unerlässlich.

Diejenigen Menschen, die Perspektiven auf eine Erhöhung ihres Lebensstandards nicht erkennen und für diesen Umstand die Demokratie verantwortlich machen, müssen verstehen, dass totalitäre Systeme keine Alternative darstellen. Alleinige Geschichtsvermittlung reicht daher nicht aus. Daneben müssen auch Fächer wie Politik oder Sozialkunde Jugendlichen die Elemente des demokratischen Systems und ihre einmalige Bedeutung für Grundfreiheiten, die freie Selbstbestimmung und Willensbildung sowie -betätigung vermitteln.

In letzter Zeit wurde vermehrt darüber berichtet ,dass gerade  Schülerinnen und Schüler nur über rudimentäre Kenntnisse in diesen Themenbereichen verfügten. Gleichzeitig sind sie aber diejenigen, auf die rechts- und linksextreme Propaganda aufgrund des Alters die stärkste Wirkung hat. Aufklärende Bildung ist daher dringend notwendig. Lehrpläne, -materialien und -methoden müssen auf ihre Wirksamkeit hin evaluiert und entsprechend angepasst werden. Die zusammenarbeit mit Fachleuten, insbesondere mit den Mitarbeitern von Gedenkstätten und Historikern, ist dabei unerlässlich.

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