Hessenwahlkampf 2.0 – CDU

Am 18. Januar wird der neue hessische Landtag gewählt. Ein extrem kurzer Wahlkampf wird es werden. Noch dazu haben sich die Parteikassen noch nicht richtig vom letzten Wahlkampf erholen können, der gerade einmal ein Jahr her ist. Gute Voraussetzungen also, dass die hessischen Parteien also das eher kostengünstig als Werbemittel einzusetzende Internet neu für sich entdecken. In einer fünfteiligen Serie nimmt Homo Politicus 4 Wochen vor der Wahl die Internetauftritte der hessischen Parteien unter die Lupe.

CDU Landesverband Hessen, www.cduhessen.de

cdu_lvcdu_parteitagAuf der Internetseite des Landesverbands Hessen ist keine Spur von Wahlkampf zu finden. Achtet man nicht genauer auf den Inhalt der alles dominierenden Pressemitteilungen, kommt man sicherlich nicht auf die Idee, dass in 4 Wochen neu gewählt wird. Ein kleines Plakatmotiv „Gesegnete Weihnachten und ein frohes neues Jahr“ und ein Foto des Generalsekretärs Boddenberg beim Aufhängen eines Plakates mit dem Motiv „Auf ein gutes neues Jahr“ könnten genauso gut eine neu gewonnene Freundlichkeit zu den Feiertagen bedeuten.

Die Live-Übertragung des Landesparteitags der CDU übrigens ist eine nette Idee, der es jedoch deutlich an der Umsetzung mangelt. Bei einem fremd klingenden Unternehmen ausgelagert verlangt das „akissko-Liveradio“ ein seltsames x-flatcast-Plugin zu installieren. Eindeutig zu viel technischer Aufwand für mich an einem trägen Samstag nachmittag.

CDU Fraktion im Hessischen Landtag, www.cdu-fraktion-hessen.de

cdu_fraktionAuch auf der Internetseite der Landtagsfraktion ist nicht das geringste vom Wahlkampf zu sehen. Die üblichen Gesichter kommentieren hämisch den Parteitag des politischen Gegners, klagen die Linke der Verfassungsfeindlichkeit an und zitieren SPD-Mitglieder, die vor Ypsilanti warnen. Wirkt alles irgendwie so, als habe man seit Anfang des Jahres nichts mehr auf dieser Seite verändert.

Hessischer Ministerpräsident Roland Koch, www.roland-koch.de

cdu_sk_1cdu_sk_bildercdu_sk_podcastAls (geschäftsführender) Ministerpräsident muss sich Roland Koch auf seiner Internetseite selbstverständlich dem Amte angemessen etwas zurück halten. Also auch auf diesem Auftritt keine Wahlkampfslogans. Koch zeigt sich im etwas zu weiten Anzug aber mit gewinnendem Lächeln neben seinen neuesten Pressemitteilungen. Der Inhalt der Seite kann sich tatsächlich sogar sehen lassen. Eine Bildergalerie zeigt den oft etwas kühl wirkenden Politiker bei einer ganzen Reihe von angenehm menschelnden Aktivitäten. Den Einsatz wirklich neuer Medien kann Koch allerdings nicht für sich reklamieren. Auch wenn er einen Podcast anpreist, das schlichte Zusammenfassen von Interviews und großen Reden in ein solches Format verdient den Namen wohl nicht.

Fazit

Gemein ist allen Websites die etwas dürftige Gestaltung. Landesverband und Fraktion präsentieren sich ähnlich, aber nicht unbedingt gleich. Die Benutzerfreundlichkeit ist nicht sonderlich ausgeprägt und man bekommt ständig das Gefühl, die Internetseiten seien nicht für den Nutzer gestaltet, sondern für den Anbieter. Die Gestaltung des Ministerpräsidenten-Auftritts fällt dann vollkommen aus dem Rahmen. Man kann zwar die offizielle Gestaltungslinie auch einmal verlassen, aber dann sollte sich im Ergebnis wenigstens eine Verbesserung sichtbar machen – auch davon kann man hier nicht reden. Die Seite wirkt wenig professionell und spricht optisch nicht gerade an.

Es ist jedenfalls interessant zu sehen, dass die CDU wenige Wochen vor der Wahl noch nicht einmal Ansätze eines Internetauftritts zeigt, der einen Wahlkampf erkennen lässt. Das können andere Parteien besser. Mehr dazu bald auf hier auf homopoliticus.de

Zur Untersuchungsmethode: Für jede der 5 wichtigsten Parteien in Hessen wurden die Internetseiten von Landesverband, Landtagsfraktion und Spitzenkandidaten besucht. Sofern spezielle Wahlkampfseiten existiert hätten, wären natürlich auch diese berücksichtigt worden. Besonders haben wir bei der Untersuchung darauf geachtet, wie leicht wahlrelevante Informationen für interessierte Bürger zugänglich waren. Die Zusammenfassungen sind natürlich keineswegs komplett und bilden auch lediglich den Zeitpunkt des Untersuchungszeitraums (13. Dezembers) ab. Untersucht wurden die Angebote von CDU, SPD, FDP, Grünen und der Linken.

Ausblick: Zwei Wochen vor der Wahl werden wir die hier besuchten Internetseiten erneut unter die Lupe nehmen und berichten, ob die Parteien ihre Defizite im Online-Wahlkampf noch behoben haben. Auch die Aktivitäten der Kandidaten im Web 2.0 (YouTube, Blogs, Twitter, etc.) wollen wir noch genauer untersuchen.

6 Gedanken zu „Hessenwahlkampf 2.0 – CDU

  1. „Gemein ist allen Websites die etwas dürftige Gestaltung. Landesverband und Fraktion präsentieren sich ähnlich, aber nicht unbedingt ähnlich.“

    Ähhhh, ja…

    …seh ich auch so…

  2. Pingback: hubschraubermuetze.de » Blog Archiv » Online-Wahlkampf in Hessen

  3. Mit großem Interesse habe ich den Beitrag gelesen. Bei zwei Schlussfolgerungen muss ich widersprechen:

    zu: „Auch wenn er einen Podcast anpreist, das schlichte Zusammenfassen von Interviews und großen Reden in ein solches Format verdient den Namen wohl nicht.“

    Podcasts haben zwei wesentliche Bestandselemente: RSS-Feed und Download-Möglichkeit: Der Begriff definiert nicht den Inhalt! Würde die Seite von „Videoblog“ o.ä. sprechen, wäre die Kritik berechtigt, aber der Koch Podcast ist ein Podcast ohne wenn und aber.

    Ich finde den Ansatz, alle möglichen Dateien anzubieten, sehr gut, denn so kann man sich genau das rauspicken, was einen interessiert.

    Etwas zu verlinken, was andere pruziert haben, heißt nicht dass der Inhalt des verlinkten deshalb schlechter ist. Im Umkehrschluss müssen selbst produzierte Inhalte auch nicht besser sein. (Der Großteil aus dem Koch-Podcast ist interessanter als ein amteurhaft gefilmter Schäfer-Gümbel auf Youtube.)

    Es ist m.E. Quatsch den Podcast deshalb abzuqualifizieren, weil auch Fremdinhalte verlinkt sind. Gerade politisch interessierte Menschen werden sich eher darüber freuen, wenn es eine möglichst große Sammlung von Mediendatein gibt und das macht der Koch Podcast m.E. vorbildlich, oder gibt es einen Podcast von einem anderen MP, der eine ähnliche umfassende Sammlung bereit hält? Wäre mir nicht bekannt. Außerdem gibt es im Koch-Podcast auch viele Inhalte, die offenbar nicht von anderen Medien stammen wie z.B. diesen Beitrag: http://podcast.roland-koch.de/index.php?id=98 (Da sind zwischendrinnen immer wieder Beträge, bei denen so ein Roland Koch Podcast Vorspann kommt, das sind wohl die selbst produzierten Beiträge.)

    Weiterhin muss man anerkennen, das Koch sehr früh damit angefangen hat – nämlich schon 2005: http://podster.de/view/651 (Der Koch-Podcast ist damit sogar noch vor dem der Kanzlerin gestartet.)

    zu: „Man kann zwar die offizielle Gestaltungslinie auch einmal verlassen, aber dann sollte sich im Ergebnis wenigstens eine Verbesserung sichtbar machen – auch davon kann man hier nicht reden. Die Seite wirkt wenig professionell und spricht optisch nicht gerade an.“

    In Bezug auf die Podcast-Seite teile ich die Auffassung, aber in Bezug auf die normale Seite bin ich anderer Auffassung. Die Seite ist sehr übersichtlich gegliedert und ich finde das Design ansprechend, aber so etwas kann man sowieso nicht objektiv bewerten, denn das ist immer höchst subjektiv.

  4. Hallo Herr Ludwig, vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Zum Thema Podcasting muss ich Ihnen zustimmen, dort sind die Definitionen nicht so eindeutig, dass man nur bei extra dafür produziertem Inhalt den Namen verwenden darf. Podcasting bezeichnet also im Hauptsächlichen nur die Verbreitungsform, die der Podcast von Herrn Koch durchaus erfüllt. Dennoch bleibe ich bei meiner Einschätzung, da ich eben Podcast enger definiere, als dies vielleicht die Wikipedia tut. Für mich ist Podcasting ganz klar Teil des so genannten Web 2.0 zu verstehen, das nicht bloß ein weiterer Weg zur Veröffentlichung ist.

    Mit Ihrer Anmerkung zu dem Design der Seite des Ministerpräsidenten haben Sie meine Bemerkung genau richtig kommentiert. Meine Bewertung der Gestaltung ist und kann nur subjektiv sein.

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