Hessenwahlkampf 2.0 – SPD

Am 18. Januar wird der neue hessische Landtag gewählt. Ein extrem kurzer Wahlkampf wird es werden. Noch dazu haben sich die Parteikassen noch nicht richtig vom letzten Wahlkampf erholen können, der gerade einmal ein Jahr her ist. Gute Voraussetzungen also, dass die hessischen Parteien also das eher kostengünstig als Werbemittel einzusetzende Internet neu für sich entdecken. In einer fünfteiligen Serie nimmt Homo Politicus 4 Wochen vor der Wahl die Internetauftritte der hessischen Parteien unter die Lupe.

SPD Hessen im Internet, www.spd-hessen.de

spd_startspd_lvBeim Aufruf der Adresse spd-hessen.de erscheint am heutigen Samstag nicht sofort die Internetseite des Landesverbandes, sonder eine Landeseite mit Videoübertragung vom Landesparteitag (die übrigens im Gegensatz zu der der CDU bei mir funktioniert). Außerdem wird direkt auf die Internetseiten der Partei und des Spitzenkandidaten hingewiesen, zu Wahlkampfhilfe aufgerufen und sogar auf die Profile Schäfer-Gümbels bei Sozialen Netzwerken wie Facebook, Wer kennt wen, YouTube und StudiVZ hingewiesen. Das verspricht eine ungekannte Innovationsfreude.

Der Auftritt des Landesverbands begrüßt dann auch in sehr freundlichem Design mit dem Motiv der „wiederkehrenden Roten“ im Titel. Man kann darüber streiten, ob das Plakatmotiv eine so geschickte Wahl war, doch die drei lachenden Weihnachtsmänner machen mir persönlich einfach gute Laune. Auch der ganz oben zu sehende Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel lächelt kaum weniger freundlich aus dem Monitor. Direkt unter seinem Porträt bekommt man weitere Informationen über den doch etwa unbekannten Abgeordneten angeboten. Gut gelöst.

Neben den unvermeidlichen Pressemeldungen finden sich die ersten Wahlkampferscheinungen, kleine, hübsch gemachte Aufmacherbilder mit Spendenaufrufen oder einer Kampagne für Gute Arbeit, bei der SPD Synonym für dne Mindestlohn, oder das Haus der Bildung. Ein Special zur Hessenwahl 2009 ist gut erreichbar in der Hauptnavigation untergebracht und bietet übersichtlich Meldungen, Regierungsprogramm oder Infomaterial wie Flyer und Plakatmotive an.

SPD Fraktion Hessen, www.spd-fraktion-hessen.de

spd_fraktionDie kleinen Aufmacherbilder finden sich auch auf der Fraktionsseite wieder, hier sind es sogar noch ein paar mehr und auch etwas hübschere. Dennoch könnten die Buttons sicherlich noch deutlicher untergebracht werden. Bei manchen Auflösungen sind sie ohne Scrollen überhaupt nicht sichtbar.

Ansonsten war es das schon wieder mit Wahlkampf auf der Fraktionsseite. Presseerklärungen und Statements dominieren bei Weitem. Interessant ist noch der Menüpunkt „Andrea Ypsilanti“, der zu einer großen Vorstellungsseite führt. Sicherlich, Ypsilanti ist ja noch Fraktionsvorsitzende. In Wahlkampfzeiten könnte man das aber ruhig etwas dezenter wegpacken. Schäfer-Gümbel hat schon genug mit diesem Erbe zu kämpfen.

Thorsten Schäfer Gümbel, www.schaefer-guembel.de

spd_skDie Internetseite des Spitzenkandidaten hausiert mit der wohl bisher erfreulichsten Entwicklung im hessischen Internetwahlkampf: Schäfer-Gümbels YouTube-Videos. Im Gegensatz zu anderen Parteien bereitet hier niemand altes Material auf, sondern der Kandidat spricht wirklich für und in die Kamera und fordert zum Dialog auf.

Auch der Link zu seinem Facebook-Profil zwischen den schon bei den anderen beiden SPD-Seiten erwähnten Aufmachern weckt Hoffnungen bei internetaffinen Politikinteressierten.

Die perfekte Wahlkampfpräsenz ist aber auch diese Seite nicht. Es fehlt immer noch einiges, was die Parteien scheinbar schon zwanghaft durch Import ihrer Pressemeldungen zu kaschieren versuchen. Dass jedoch wohl kaum einer der Besucher diese Texte durchlesen möchte und präziser über die Wahlversprechen aufgeklärt werden will – auch die SPD hat es nicht begriffen.

Fazit

spd_supporterNoch zu erwähnen ist die Online-Unterstützerseite für Thorsten Schäfer Gümbel, die unter www.politikwechsel-in-hessen.de schon ganze 689 Unterschriften gesammelt hat. Eine nette Idee, die jedoch etwas unter der mangelnden Beteiligung und dem unpassenden Äußeren leidet.

Das Design ist ansonsten eine große Stärke der SPD-Auftritte. Auch wenn die Fraktionswebsite noch nicht ganz zu den anderen beiden passt, das Design ist frisch, dynamisch und einladend. Die SPD macht schon einiges richtig in ihren Internetauftritten zur Wahlkampfzeit, aber es zeigt sich auch noch einiges Potential. Eine stärkere Orientierung an den Interessen der Besucher, ein leichterer Zugang zu wahlrelevanten Informationen und eine liebevollere, kompaktere Aufbereitung der Inhalte des Wahlprogramms wären wünschenswert.

Zur Untersuchungsmethode: Für jede der 5 wichtigsten Parteien in Hessen wurden die Internetseiten von Landesverband, Landtagsfraktion und Spitzenkandidaten besucht. Sofern spezielle Wahlkampfseiten existiert hätten, wären natürlich auch diese berücksichtigt worden. Besonders haben wir bei der Untersuchung darauf geachtet, wie leicht wahlrelevante Informationen für interessierte Bürger zugänglich waren. Die Zusammenfassungen sind natürlich keineswegs komplett und bilden auch lediglich den Zeitpunkt des Untersuchungszeitraums (13. Dezembers) ab. Untersucht wurden die Angebote von CDU, SPD, FDP, Grünen und der Linken.

Ausblick: Zwei Wochen vor der Wahl werden wir die hier besuchten Internetseiten erneut unter die Lupe nehmen und berichten, ob die Parteien ihre Defizite im Online-Wahlkampf noch behoben haben. Auch die Aktivitäten der Kandidaten im Web 2.0 (YouTube, Blogs, Twitter, etc.) wollen wir noch genauer untersuchen.

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