ProSieben ruft zum Wählen auf

gehwaehlenNun ist auch das Fernsehen ganz groß in die Nichtwähler-Werbung eingestiegen und fährt mit der hauseigenen Prominenz von Stefan Raab bis Kai Pflaume, mit Sportlern und Moderatoren eine hochkarätige Starsammlung auf. Vor allem bei jüngeren Menschen will die Sendergruppe aus ProSieben, Sat.1, Kabel Eins und N24 damit punkten.

In einem grafisch sehr schön umgesetzten Intro auf der Internetseite heißt es:

Gehst du? Theoretisch könnte eine Stimme die Wahl entscheiden. Theoretisch könnte Deine Stimme entscheiden, wer Deutschland vertritt: Beim G8 Gipfel. Im UN-Sicherheitsrat, Bei der Weltklimakonferenz. Theoretisch könnte deine Stimme entscheiden, ob der Meeresspiegel steigt oder die Mönchsrobben aussterben und 1000 andere Tiere. Ob die Wirtschaft wächst ob die steuern wieder sinken, ob deine Eltern mehr Rente bekommen, ob deine Kinder mehr Bildung bekommen und 1000 andere Dinge. Du entscheidest.

Auf der Internetseite der Kampagne kann man sich ausgewählte Spots einiger ProSieben-Prominenter ansehen, in der Galerie finden sich dann alle (?) Teilnehmer abgelichtet. Was bei der Internetseite ganz offensichtlich fehlt, ist der Rückkanal. Im Gegensatz zu der Kampagne „Geh nicht hin„, die vor ein paar Wochen anlief, scheint es niemanden zu interessieren, was die kommenden Wähler und Nichtwähler denken. ProSiebenSat.1 ist schon damit zufrieden, die Meldung abgesetz zu haben. „Geh wählen!“.

Dennoch wird der Wahlaufruf von ProSieben, Sat.1, Kabel Eins und N24 wohl der reichweitenstärkste seiner Art sein – und hoffentlich etwas bewegen. Denn die Macher haben schon recht: Deine Stimme entscheidet.

ichgehe

Bilder: ichgehe2009.de

9 Gedanken zu „ProSieben ruft zum Wählen auf

  1. Gerade von Pro7 so eine Kampagne?! Wie viel politische Information wird denn den vornehmlich jungen Zuschauern im Programm von Pro7 vermittelt? Es ist eine fadenscheinige Kampagne eines Senders, der mit anderen seiner Art an der Entpolitisierung der Menschen in Deutschland beigetragen hat. Pro7 sollte sich keinen politischen Anstrich geben.. Das ist Heuchelei…

  2. Ich denke jeder Versuch Neu- und Nichtwähler/innen zu motivieren um wählen zu gehen, ist gerechtfertigt.

    Die Wähler/innen sollen lieber entscheiden was „Heuchelei“ im Wahlkampf ist. Das ist schon schwer genug.

  3. @ Jörg: „Jeder Versuch“ –> Was bring es denn, wenn Jung- und Erstwähler vollkommen uninformiert in die Wahl gehen? Wie können Sie ihre politischen Interessen vertreten, wenn sie durch Mangel an Information nicht wissen wer für was steht. Pro7 macht einen schlichten Aufruf zur Wahl zu gehen, stell ein paar B-Prominente hin und meint damit seine Schuldigkeit getan zu haben, ohne wenigstens ein Minimum an Hintergrund zu liefern. Es ist Zeit in diesem Land, dass die Privaten ihrer Pflicht als Massenmedien nachkommen. Und diese Pflicht heißt: Unser demokratisches Fundament zu unterstützen. Dieser läppische Spot trägt wohl nicht dazu bei.

  4. @Thomas: Ich bezweifle, dass allein die Privaten Sender an der Unwissenheit der Jung- und Erstwähler schuld sind.

    Wähler (Bürger) werden zu oft von der Politik von oben herab und unmündig betrachtet – Dank einer Verfassung, die nach dem Krieg sicherlich das richtige war, aber heute nicht mehr standhalten kann (Thema Volksabstimmung). Nicht-eingehaltene Wahlversprechen trugen einen weiteren Teil bei, mit einem verheerendem Ergebnis: Walter verspricht Dinge und keiner glaubt ihm (ohne sie richtig zu analysieren). Angela sagt nichts und ihre Umfragewerte steigen. Also sind nichts-sagende Politiker glaubwürdiger geworden.

    Ist es nicht eine Aufgabe der Politik, und damit der Parteien, Politik glaubwürdig und so auch wieder zum Thema bei den Jung-Bürgern zu machen?

    Ja, es sollen alle Jung- und Erstwähler uninformiert zur Wahl gehen, vielleicht bewegt sich dann was bei den sogenannten Volks-Parteien. Ich hoffe nur der Schuss geht nicht nach ganz rechts oder ganz links, zu Gewalt und Populismus.

    Und deswegen gibt es Bürger wie Dich und mich, die das Endergebnis ausgleichen.

  5. @ Jörg: Ich behaupte ja nicht, dass alleinig die Privatsender an der zunehmenden Entpolitisierung der Bürger schuld sind. Andere ‚kerndemokratische‘ Institutionen, wie etwa die Volksparteien, haben natürlich an dieser für unsere Demokratie nachteiligen Entwicklung einen erheblichen Anteil.

    Allerdings gab es einmal den Ausspruch von der Presse bzw. den Medien als der sogenannten ‚vierten Gewalt‘. Davon ist nicht mehr viel übrig. In diese Lücke tritt momentan das ’social web‘; kann diese Lücke allerdings noch nicht vollends füllen. Das wird noch Jahre dauern.

    Demokratie in einem Staat mit 82 Millionen Menschen funktioniert eben nur über einen Kanal der relativ unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen Informationen an die Bürger vermittelt, auf dessen Grundlage die Bürger (von denen ja nach GG alle Staatsgewalt ausgeht) dann ihre Entscheidung treffen.

    Ohne diesen Kanal ist es schlichtweg unmöglich in einer immer komplexer werden Politik (z.B. Verzahnung internationaler mit nationalen Themen) für sich eine Entscheidung zu treffen. Resultat –> die Bürger schalten ab und lassen die ‚dort oben‘ machen, beklagen aber dann die Bürgerferne der Parteien.

    Politische Berichterstattung ist deswegen ein Kernelement jeder Demokratie, sofern man eine funktionsfähige Demokratie will. Und an eben diese politische Information der Bürger durch die Medien findet eben nicht ausreichend statt. Deswegen kritisiere ich Pro7, dass sich jetzt mit dieser Kampagne ein Feigenblatt zu geben such, aber ohne seiner Verantwortung als Massenmedium in einer Demokratie sonst jemals nachgekommen zu sein.

  6. @Thomas: Eigentlich könnten wir beide chatten. Wenn sich sonst niemand in die Diskussion einbindet.

    Ich glaube wir sind inhaltlich nicht so weit voneinander entfernt. Ich stimme Dir durchaus zu. Politische Berichterstattung ist notwendig und über die „Privaten“ würde man sicher auch nochmals eine weitere Gruppe der Gesellschaft erreichen.

    Wie ich aber oben schon erwähnt habe, geht es auch um die Inhalte. Und da liegt die Verantwortung in der Politik. Nämlich die Politik wieder ehrlich, bürgernah und modern zu gestalten. So zu gestalten, dass ich (der Bürger) spüre, dass es um mich geht, dass es mich was angeht, dass ich eingebunden werde und meine „Stimme“ gehört und nicht nur gezählt wird. Das wir wieder Volksvertreter haben und nicht nur Politiker.

    PS: Gibt es eigentlich eine Studie, über welche Medien und in welchem Masse sich Wähler/innen über Parteien informieren?

  7. @ Jörg: Stimme Dir ja zu. Insofern haben wir ja gar keine Grundsatzdiskussion, sondern sehen das eben aus einer anderen Perspektive. Du von der Seite des ‚outputs‘ (politische Inhalte, verfehlte und falsche Politik der Parteien), ich von der Seite des ‚inputs‘ (politische Information, mediale Vermittlung von Politik). Beide Seiten sind momentan stark im argen…

    Eine Studie kenne ich leider nicht. Gibt es aber sicherlich. Bekannt ist ja, dass sich etwa junge Menschen kaum noch über die klassische politische Presse – also die Tageszeitung – informieren, sondern das Netz nutzen. Das Netz ist allerdings noch wenig politisch, was sich jetzt glücklicherweise durch die Diskussion rund um Zensursula etwas ins Politische verschiebt. Klar ist jedenfalls eine sehr hohe Nutzung von Pro7 bei den Jüngeren – eben da hapert es mit politisch informativen Inhalten.

  8. der clip is einfach nur lächerlich—wie kann man bei der ganzen schei… nur mitmachn—und die angeblichen superstars sind doch nur langweilige moderatoren—man kann den schwachsinn richtig spürn den sie vermitteln

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