Deutschland dem Deutschen

Gerade hat Malte über die neue Internetseite der Berliner FDP berichtet. Aber neben dem Relaunch des Online-Auftrittst gibt es da noch einen ganz anderen interessanten Aspekt: Auf der Internetseite finden sich auch die Kampagnenmotive der Berliner Liberalen. Und die Slogans haben es in sich. Fröhlich wird herumgepöbelt, mal gegen die Einheitsschule und dann wieder gegen die autofreie Stadt ausgeteilt.

Es ist offensichtlich: Die FDP hat Angst und bellt wie ein angeschossener Hund. Kein Wunder bei einer Partei, die zwischen 2 und 4 Prozent von den Umfrageinstituten gesehen wird. Aber muss man den gleich so daneben greifen? Beispiel gefällig?

„Wie steht die FDP zur Integration? Wir meinen, dass es eine nette Geste wäre, in Paris nach Croissants statt nach Schrippen zu fragen.“

Das ist also der Beitrag der Berliner FDP zur Integrationsdebatte? Man will sich offenbar einreihen in die unkonstruktive Ätzerei von Sarrazin, Stadtkewitz und Konsorten. Natürlich kann man darüber diskutieren, wie viel bei der Integration davon abhängt, dass auch ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden sind. Aber auch die Verniedlichung der „netten Geste“ kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die FDP in Berlin am liebsten gar keine anderen Sprachen mehr hören möchte. Mich würde ja interessieren, ob auch der Amerikaner oder Engländer nicht mehr nach „rolls“ fragen darf, sondern bitteschön die Worte „Brötchen“ oder „Schrippen“ lernen sollte.

Auch sehr hübsch:

„Warum teilt die FDP nicht den Traum von einer autofreien Stadt? Weil keine Frau der Welt mit dem Fahrrad zum Kreißsaal möchte.“

Die Kampagne soll witzig und frech sein, ist aber einfach nur polemisch. Sie soll die FDP zurück ins Parlament führen, wird aber nur Verwunderung, mitleidiges Belächeln und Unverständnis ernten. Anstatt sich in die Debatte über die Zukunft der Hauptstadt einzubringen, spielt man lieber mit Ressentiments und Albernheiten.

Da hinterlässt auf einmal selbst die eher mäßig spannende Stimmungskampagne von der SPD Klaus Wowereits einen guten Eindruck.

4 Gedanken zu „Deutschland dem Deutschen

  1. Über den qualitativen Wert der Aussagen kann man sicher streiten, aber der FDP hier Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen, halte ich durchaus für gewagt.

  2. In meinem Kommentar ist gar nicht die Rede von Fremdenfeindlichkeit, oder habe ich da etwas übersehen?

    Beabsichtigt war dagegen ganz klar die Aussage: Hier fehlt jedes Interesse an konstruktiver Auseinandersetzung mit dem Thema Integration, hier geht es um Ressentiments und völlig banales Vorschützen der deutschen Sprache.

  3. Pingback: Von der Provinz in die politische Provinz – der Wahlkampf in Berlin « politik.de > Blog

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