Kolumne: Freunde bis 18 Uhr

Am Wahlabend zur Berliner Abgeordnetenhauswahl wurde auch anderswo gewählt: in Rüsselsheim zum Beispiel ein neuer Oberbürgermeister. Auch wenn sich nahezu alle Augen auf Berlin richteten – von Rüsselsheim können auch die Berliner Kampagnenmanager lernen.

Nur 10 Minuten nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses wandte sich der unterlegene Kandidat Jo Dreiseitel via Facebook an seine Wähler und dankte ihnen für ihr Vertrauen. Ebenso gratulierte er dem glücklichen Gewinner.

Was sich so einfach anhört, zeigt wichtige Lektionen für die Kampagnenführung (nicht nur) im Internet. Kampagnen dauern nicht nur bis zur Schließung der Wahllokale. Unterstützer verlieren nicht alle ihre Überzeugungen mit dem Einwurf eines Umschlags in die Wahlurne. Wahlkämpfe schaffen Beziehungen, die nicht einfach am Wahlsonntag um 18 Uhr enden. Zudem: Die Unterstützer haben ihr Engagement und ihre Begeisterung in den Wahlkampf eingebracht, ob nun auf der Straße oder als Wähler. Sie sind es, die den Kandidaten so weit gebracht haben – und dafür verdienen sie ein Dankeschön.

Oft klappt das im Kleinen. In Rüsselsheim hat man gemerkt, dass ein Platz dafür das Internet ist. Aber bei einer Bundestagswahl sieht man diese Dankbarkeit, trotz vieler freiwilliger und bezahlter Helfer, eher selten. Es wird Zeit, sich zu bedanken! Und zwar nicht nur, weil Dank zu zeigen einfach anständig ist, sondern weil jede Kampagne auch bis zum Ende professionell geplant sein und schon an die nächste Wahl denken sollte.

[Erschien zuerst in: politik&kommunikation, November 2011]

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