Von Freunden, Fans und dem #Neuland

Seitdem es bei Facebook Seiten (Pages) und Profile gibt, sind sich besonders Politiker unsicher, in welche Kategorie sie gehören. Ein eigenes Profil ist schnell erstellt und sieht logisch aus – aber die Grenzen sind schnell erreicht. 5000 Freunde sind für einen landes- oder bundesweit bekannten Politiker nicht fern, aber gleichzeitig limitiert Facebook hier die Freundeszahl. Außerdem muss jede Freundschaftsanfrage beantwortet werden, das kostet Zeit. Und viele „Freunde“ erwarten tatsächlich, dass ihre Nachrichten beantwortet werden.

Diese Erfahrung macht gerade der GRÜNE Oberbürgermeister von Darmstadt, Jochen Partsch:

Der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) will tausenden Menschen die Freundschaft kündigen – auf Facebook. Er begründet dies mit zu viel Ärger und bietet den Geschassten an, stattdessen Fan von ihm zu werden.

Der Ärger, der ihm dafür entgegen schlägt, hätte mit einigen Überlegungen leicht vermieden werden können. Seinen Eintrag bei Facebook kommentierten Freunde unter anderem so:

Daniela Probst Danke für den Hinweis. Offensichtlich ist Facebook noch Neuland für Sie.

Wahlprogramme in der Computer-Simulation

Welche politische Partei hat wohl ein Wahlprogramm, dass SimCity zum Florieren bringen würde? Das kann man bald heraus finden, denn EA lässt verlauten:

Unter dem Motto „Macht der Spiele: Der SimCity Wahlkampfcheck“, lassen wir die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Lars Klingbeil (SPD) und Jimmy Schulz (FDP) vier Wochen unsere Städtebausimulation SimCity spielen. Als Leitfaden für ihre Entscheidungen im Spiel sollen die Wahlprogramme ihrer jeweiligen Partei für den Bundestagswahlkampf 2013 genutzt werden. Als virtuelle Bürgermeister fällen sie dabei Entscheidungen über diverse Bereiche der Politik – vom Verkehrswesen über die Energieversorgung bis hin zum Steuersystem.

Das Grundgesetz in der Versionskontrolle

Gesetzesänderungen sind Bug-Reports, also kann man auch das Grundgesetz mit einer Versionskontrolle wie git darstellen. Klingt nach einer gewagten These, macht aber durchaus Sinn, wie man bei foobar e.V. sehen kann:

Gesetzestexte sind wie Software: der „Quelltext” ist gut strukturiert mit einfacher Syntax und Änderungen sind auch nichts anderes als Patches, um Fehler zu beseitigen oder neuen Anforderungen zu genügen. Das jedenfalls dachten wir uns vor einiger Zeit. Wie wäre es, ein Gesetz wie ein Stück Software zu behandeln, zu versionieren und zu patchen? Softwareentwickler benutzen dafür Versionskontrollsysteme wie git. Damit kann man nachvollziehen, wer wann was und warum geändert hat.

Wir empfehlen jedenfalls einen Blick auf das Grundgesetzt auf git.
grundgesetz
[via @dr_meyer]

Kolumne: Unterstützer (online) sammeln

Im September stehen neben der Bundestagswahl die Landtagswahlen in Bayern und Hessen an. Für die Parteistrategen gilt es also, die eigenen Mitglieder für den Wahlkampf zu aktivieren. Doch gerade das gelingt immer schwerer – zumal sich der Mitgliederschwund noch weiter fortsetzt und der Nachwuchs fehlt. Auch deshalb nehmen Nichtmitglieder als Unterstützer und Multiplikatoren im Wahlkampf inzwischen eine wichtige Rolle ein. Doch Nichtmitglieder gewinnt man selten als allgemeine Parteiunterstützer, sondern vielmehr für bestimmte Fachthemen. Und so schauen die Parteien schon seit längerer Zeit neidisch auf Angebote wie Campact und Avaaz, die über Onlineplattformen Unterstützer für verschiedene Themen suchen und bei Bedarf aktivieren können. Dabei geht es vor allem darum, dass sich Interessierte unkompliziert und ohne Verpflichtungen für die Mitarbeit melden können. Im Bundestagswahlkampf 2009 haben die Parteien bereits ansatzweise versucht, Elemente solcher Angebote zu übernehmen – in den meisten Fällen jedoch etwas halbherzig. 2013 nun wagen sie einen neuen Anlauf. So hat die CDU schon im vergangen Jahr ihre Unterstützerplattform CDUplus gelauncht. Auch die Grünen und die FDP haben inzwischen nachgelegt. Die Parteien schlagen mit diesen Aktivitäten den richtigen Weg ein, denn die Mitgliederverluste erfordern neue Formen der Mobilisierung von Unterstützern aller Art. Neue Mitglieder wird man damit sicher nicht im großen Stil gewinnen können, dafür aber Multiplikatoren für die eigenen Themen.

[Erschien zuerst in: politik&kommunikation, Februar 2013].