State of the Union

Als Barack Obama am Dienstag zur Rede zur Lage der Nation antrat hatten es einige Journalisten bereits als eine seine letzten Chancen gesehen, um die Kritiker – auch in den eigenen Reihen – hinter sich zu bringen und seine von immer mehr Erosionen betroffene Präsidentschaft wieder etwas glatt zu bügeln. Doch nicht nur politisch wurde Obama in den vergangenen Monaten immer mehr in die Ecke gedrängt, sondern auch online musste er seine Chance nutzen, um nicht an Relevanz zu verlieren.

Am Tag danach sprechen die Einen von einer „Ruckrede„, die Anderen von einer „wegweisenden Rede“ – in der Obama seinen „Sputnik-Moment“ hatte. Verschiedene deutsche Medien titelenden heute mit Sputnik-Überschriften, da Obama in seiner Rede unter anderem einen Vergleich zu den politischen Herausforderungen in den 50er Jahren zog, als die Sowjets den USA mit dem ersten Satelliten im All zuvorgekommen waren. Während es damals um den Wettlauf im Weltraum ging, finde der heutige Wettlauf im Bereich Bildung und Forschung statt, um auf diese Weise neue Industriezeweige zu schaffen.
Insgesamt gesehen erhielt Obama für seine Rede weltweit ein positives Presseecho. Der Befreiungsschlag scheint also gelungen.

Ein Thema ist in der Berichterstattung jedoch deutlich untergegangen, nämlich Obamas Aktivitäten im Netz. Nicht nur politisch stand Obama in den letzten Wochen mit dem Rücken zur Wand. Galt Obama noch vor zwei Jahren als der unerreichbare, Followerspitzenreiter in den großen sozialen Netzwerken, haben ihm inzwischen die Lady Gagas dieseser Welt den Rang abgelaufen. Und auch ansonsten musste der einstige „Internetvorzeigepräsident“ viel Kritik einstecken, da von den Internet-Innovationsschüben nach den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit immer weniger zu spüren war.

Seine Rede zur Lage der Nation nutzte er deshalb nicht nur für seine politische Rehabilitation, sondern um auch zu zeigen, dass ihm und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Ideen für Onlineangebote noch nicht ausgegangen sind. Unter der eigens eigerichteten Website für die Rede, wurde und wird einmal mehr die vorbildliche Einteilung der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von politischen Veranstaltungen umgesetzt. Während in Deutschland häufig noch immer Kampagnenseiten nach dem Ende der Durchführungsphase eingestellt, z.T. sogar gelöscht, werden, hat das Team Obamas ein interessantes Komplettprogram aufgestellt. So berichtete die Seite bereits vorab über die wichtigsten Facts zu den traditionellen Reden zur Lage der Nation. In einer animierten Übersicht konnte man sich anschauen, wer während der Rede neben der First Lady sitzen wird und warum und auch die Verknüpfungen von Facebook und Twitter durften natürlich nicht fehlen.

State of the Union

Spannender noch, als das was vor und während der Rede auf der Website passierte, ist das, was nach dem Livestream auf der Seite angeboten wurde. Innerhalb kürzester Zeit stellte man ein mit erklärenden Visualisierungen ergänztes Video der Rede bereit und ein komplettes Wochenprogramm rund um Obamas Rede wurde angekündigt. So beantworteten noch am gleichen Abend Mitarbeiter des Weißen Hauses Fragen aus dem Netz und auch die nächsten Abende geht es so weiter.

Höhepunkt des Kalenders sind die Fragestunden mit Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden am Donnerstag.

Ob am Ende dieser Woche auch im Zusammenhang mit Obamas Onlineaktivitäten von einem Befreiungsschlag gesprochen werden kann wird sich zeigen. Deutlich ist jedoch, dass er sich auf seine alte Stärke zurück besonnen hat, nämlich bei wichtigen Ereignissen, die Wählerinnen und Wähler über das Internet hinzu zuziehen und an diesen zu beteiligen.

Screenshot: http://www.whitehouse.gov/state-of-the-union-2011

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