Internetzensur made in Europe

Tagesschau-Online berichtet heute über ein besonderes Angebot des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Rahmen der aktuell laufenden Olympischen Spiele in Peking: Den IOC eigenen Webchannel auf der Onlinevideoplattform YouTube.

Auf diesem sollen während der Spiele die Höhepunkte des Tages in Zusammenfassungen angeboten werden. Insgesamt plane man 500 bis 800 Videoclips zu den Wettkämpfen: was etwa drei Stunden Zusammenschnitte der wichtigsten Ereignisse und sportlichen Höhepunkte jeden Tag bedeute.

In einer Pressemitteilung des IOC heißt es:

“Die Priorität des IOC ist es, sicherzustellen, dass so viele Menschen wie möglich in den Genuss kommen, die Magie der Olympischen Spiele miterleben zu können.”

Zum ersten mal in der olympischen Geschichte werde es zu einer kompletten globalen Berichterstattung kommen.

Doch beim Versuch den besagten Videochannel (www.youtube.com/beijing2008) bei YouTube zu öffnen erwartet den europäischen Nutzer nicht eine Sammlung der sportlichen Höhepunkte sondern eine ernüchternde Fehlermeldung auf rosa Untergrund: „This channel is not available in your country“.

Und schlagartig fällt einem eine andere Pressemeldung aus der letzen Woche ein: „IOC verkündet Rekordgewinn von 353 Millionen Dollar“.
Dieser Gewinn ist jedoch nicht irgendwie vom Himmel gefallen, sondern beruht vor allem auf den Milliardeneinnahmen, die durch das Geschäft mit TV-Rechten erwirtschaftet wurden. Unter anderem wurden dabei auch die Digitalrechte veräußert.

Aus diesem Grund ist der Channel nur in den 77 Ländern, in denen die Onlinerechte nicht im Besitz eines offiziellen Olympiasponsors sind, zu sehen.

Das brisante an der Blockadetechnik ist, dass man ein Verfahren verwendet, dass vor allem in China bekannt ist:

Geoblocking: “Methode, bei der die IP-Adresse des jeweiligen Internetnutzers, die auf den geographische Standort des Nutzers nicht innerhalb eines Lizenzgebietes, so wird ihm dann der Zugriff auf die Inhalte verweigert.“ (Quelle: www.e-lexikon.at).

Doch kommt dazu, dass die Nutzung des Angebotes in vielen Fällen bereits am ersten Glied in der Kette scheitert: An den Usern. In den 77 Zielgruppenländern (fast alles Entwicklungsländer) besitzt die Bevölkerung zu großen Teilen keine Computer und selbst in Internetcafes muss man sich mit analogen Anschlüssen zufrieden geben, mit denen Videostreams quasi unmöglich sind.

Einen treffenden Schluss liefert die Tagesschau, dem ich nichts mehr hinzfügen muss:

„Die Mehrheit der potenziellen Nutzer in den 77 Ländern weiß wahrscheinlich auch nichts von dem Olympia-Kanal auf YouTube. Und so bleibt zu vermuten, dass die Erfolgsmeldung über die erste “vollständige globale Online-Berichterstattung” vor allem dort thematisiert wird, wo die Video-Clips gar nicht zu sehen sind: in reichen Ländern, die ausreichend mit Bildern versorgt sind.“

Your voice in Europe

Eine interessante Aktion hat die Europäische Kommision vorgestern bekannt gegeben.
Ähnlich den deutschen Onlinepetitionen können Interessierte bis zum 29. September ihre Meinung zum Thema “Klimaschutz” online mitteilen. Genauer gesagt geht es um die “Anhörung zur Verringerung der Abgase in den Industriestaaten und Entwicklungsländern”.
Das ganze steht unter dem Arbeitstitel: “Für ein umfassendes und ehrgeiziges Klimaabkommen ab 2012″.

Link: http://ec.europa.eu/yourvoice/

Eine sehr zu begrüßende Aktion, die nun hoffentlich auch genug Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden kann. Auf jeden Fall ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz auf EU-Ebene.

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Nachdem die Diskussion um die Zensur Chinakritischer Websiten während der olympischen Spielen in den letzten Tagen immer höher gekocht ist, schaffte es der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, in den größten aller möglichen Fettnäpfe zu treten.


flickr.com/charles.hope

Die Süddeutsche Zeitung berichtete heute ebenso wie eine Reihe anderer Tageszeitungen über den Fall:
In einem Interview mit der ARD-Sendung “Weltspiegel” hatte Vesper versucht der Diskussion um die Internetzensur ein wenig die Luft aus dem Segel zu nehmen. Er sagte in diesem Zusammenhang, dass in allen Ländern der Welt einzelne Websiten gesperrt würden.

“Bei uns sind es rechtsradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden.”

(Den Orginalbeitrag findet man in der ARD-Mediathek.)

Kritik an Vespers Aussagen folgte umgehend von allen Seiten.
Besonders der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD) brachte die Kritik an Vespers Vergleich im Kölner Stadt-Anzeiger auf den Punkt:

“Allein Vespers Vergleich verbietet sich schon. Wir sprechen hier doch nicht über Internetseiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten. Wir sprechen über Amnesty International.”

Geld aber kein Öl…

Die Financial Times Deutschland berichtet heute über die aktuellen Rekordgewinne der Erdöl-Konzerne.Über die Frage, wer von den hohen Ölpreisen derzeit am meisten profitiert (Staat oder die Öl-Konzerne) wurde in der letzten Zeit schon an verschiedensten Stellen ausführlich diskutiert.

Trotzdem ein paar Zahlen die für sich sprechen:
Exxon Mobil habe seinen Nettogewinn um 14 Prozent auf 11,7 Mrd. $ gesteigert.
Royal Dutch Shell legte laut Geschäftsbericht beim Gewinn gar um 33 Prozent zu und komme damit auf 11,6 Mrd. $.
Cevron und Total werden ihre Zahlen erst heute Nachmittag vorlegen, doch kann ähnliches erwartet werden.

Viel interessanter erscheinen jedoch noch andere veröffentlichte Zahlen: Exxon Mobils Öl- und Gasproduktion sei trotz der Gewinnsteigerung um 7,8 Prozent eingebrochen.
Des Weiteren gebe der Konzern laut Financial Times Deutschland derzeit 52 Mio. $ für die Suche nach neuen Ölfeldern aus: täglich (!!!).
Für dieses Jahr plane ExxonMobil deshalb den Start von zwölf neuen Bohrprojekten.

Da kommt John McCains aktueller Vorschlag einer möglichen Ölföderung vor der US-amerikanischen Küste wahrscheinlich gar nicht mal so ungelegen.

Apropos, wieder einmal wird deutlich bewiesen, dass in Krisenzeiten den meisten Menschen das Hemd doch näher sitzt als die Hose. Während es viele Jahre lang eine große Mehrheit in den USA gab, die sich auch aus Naturschutzgründen gegen die Ölproduktion vor der eigenen Küste aussprach, ändert sich diese Stimmung wenn man der Presse glauben darf momentan grundlegend.
Das brisante daran ist, dass vor der Küste (noch) etliche sehr wertvolle und für die USA einzigartige Naturschutzgebiete vorzufinden sind, die den eigenem Benzindurst nun zum Opfer fallen könnten.

Doch mit ein klein wenig Zufriedenheit nahm ich gestern in der Süddeutschen Zeitung wahr, dass GeneralMotors mit dem Gedanken spielt, sein Flagschiff „Hummer“ abzustoßen, da der Umsatz in den letzten Monaten schlagartig eingebrochen sei.

Vielleicht geht ja doch noch ein Ruck durch die USA…
Das wäre doch einmal eine Schlagzeile: US-Senat beschließt Subvention von CO2-neutralen Elektroautos (Die GM im übrigen ja auch produzieren möchte…).

Polizei tankt Frittierfett

Manchmal lohnt es sich doch auch während des sogenannten Sommerlochs die lokale Tageszeitung zu studieren. Denn dort fand ich gestern einen kleinen Artikel zum oben genannten Thema.

Die momentan immer weiter steigenden Benzinpreise hätten die philippinische Polizei nämlich angeblich auf die gar nicht mal so dumme Idee gebracht ihre Streifenwagen in der Hauptstadt Manila künftig mit einem Gemisch aus 60 Prozent Diesel und 40 Prozent Speiseöl zu betanken.
Als Sponsor für das gebrauchte Speiseöl sei die Fast-Food-Kette McDonalds gewonnen worden.


flickr.com / paperscissorock

Ich bin mal gespannt, ob es sich nur um eine “Ente” handelt.
Wenn dies nicht der Fall sein sollte, stellt sich natürlich die Frage welche Lebenserwartung Polizeiautos auf den Philippinen haben. Denn das dieses Gemisch wirklich Motorpflegend ist kann schon in Frage gestellt werden.
Trotzdem eine interessante Entwicklung die es weiter zu verfolgen gilt, denn bisher gab es nur einzelne Bastler die es geschafft hatten ihr Auto auf Frittierfett umzurüsten.


flickr.com / flickrcheckr

Doch wer weiß vielleicht riecht man eine Polizeiverfolgungsjagt bald auch schon in Deutschland einen Kilometer gegen den Wind.